Vom Schrei zu(m) Papier

Man weiß ja nie, was aus einer Sache so wird. Zum Beispiel weiß man nicht, was man mit einem kunsthistorischen Studium mal so anfangen wird im Leben. Aber egal, ob man nun durch einen glücklichen Zufall im Museum landet oder in einer Galerie oder doch ganz woanders: So ein Studium prägt einen für das ganze Leben! Mir passiert es zum Beispiel öfters, dass ich irgendwo Bilder entdecke, wo eigentlich keine sein sollten. So wie heute, als ich mir mal die Sohle meiner neuen Öko-Sandalen genauer ansah … und was ich da sah, war: „Der Schrei“, von Edward Munch!

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Ich gebe zu, dieses Bild kennt wahrscheinlich jeder, der sich nur ein bisschen für Kunst interessiert, und auch ich hab dieses Bild in keinem einzigen Uni-Seminar behandelt und kannte es auch schon vor meinem Studium, trotzdem denke ich, dass Kunsthistoriker für die verborgenen Bilder dieser Welt besonders empfänglich sind. Aber schaut selbst: Gefällt euch dieser nachempfundene Schrei, so Ton-in-Ton, ganz braun und reliefartig, könnte es nicht fast eine mittelalterliche Reliefschnitzerei sein … Ich denke da an Beispiele aus dem Bode-Museum … ok, ich schweife ein bisschen ab. Aber wäre ich jetzt eine Künstlerin, würde ich mich vielleicht direkt an die Arbeit machen; eine zeitgenössische Verarbeitung bekannter Gemälde, aber auf eine mittelalterlich anmutende Art und Weise in Holz umgesetzt. Ich stehe ja auch auf ältere Kunst, wahrscheinlich war ich einfach zu oft in der Gemäldegalerie Berlin, um so etwas nicht zu mögen, weshalb mir auch auf dem diesjährigen Festival der Illustrative das Gemälde von Madeline von Foerster sehr gefallen hatte, das von mittelalterlichen Reliquienbüsten, Kölner Papageien und der persönlichen Liebesgeschichte der Malerin inspiriert und in altmeisterlicher Weise gemalt wurde. Auf der Website der Künstlerin befinden sich viele Bilder ähnlicher Manier, die jedoch zur Zeit gerade ausverkauft (!) sind. Interessenten können sich auf eine Warteliste setzen.
Es ist allerdings ein Bild, das sich durch seine Art von den anderen ausgestellten abgehoben hat. Ansonsten hatte ich eher den Eindruck, die Illustrationswelt steht wieder verstärkt auf Papier, genauer: auf „Papier auf Papier“, denn ich habe oft gesehen, dass einzelne Figuren, aber auch ganze Vordergründe auf farbige Hintergründe geklebt worden waren. Die räumlichen Möglichkeiten des Papiers scheinen noch viel Entfaltungsspielraum zu bieten.

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