1913. Der Sommer des Jahrhunderts

1913. Der Sommer des Jahrhunderts

Florian Illies
1913. Der Sommer des Jahrhunderts
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main
10. Auflage Juni 2013
ISBN: 978-3-10-036801-0

Wie viel Zeit muss vergehen, damit Geschichte zur Geschichte werden kann bzw. zur Fiktion? 100 Jahre sind auf jeden Fall genug, dachte sich wohl Florian Illies, denn wie ein Roman liest sich sein Buch “1913”, wenn auch unterbrochen durch kontrastierende Einschübe, anekdotenhafte Fakten, die auf einmal suggerieren wollen, dass es eben nicht nur um Thomas Mann, um Oskar Kokoschka und Alma Mahler, Franz Kafka, Else Lasker-Schüler und Gottfried Benn und noch viele andere geht, sondern dass es noch etwas Drittes gibt, das alles zusammen hält: Die Zeit, das Jahr 1913, die erzählte Zeit als figurbestimmender Rahmen.

Und bei all den Liebes- und Lebenswirren der Figuren überkommt den Leser eine Art allmächtiger Vorausschau, weiß er doch, was 1914 beginnen wird. Fast möchte man einem auktorialem Erzähler gleich eingreifen und an einigen Stellen kommentieren: “Wenn Sie wüsste, was noch alles auf sie zukommen wird.”; “Wenn Sie wüsste, dass sie im Exil sterben wird”; “Wenn er wüsste, dass er noch zwei Weltkriege miterleben muss, einer schrecklicher als der andere”. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, die dieses Buch so faszinierend macht, es ist das Wissen des nachgeborenen Lesers, das immer wie ein geistiges Auge mitschwebt über dem Text.

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